SIMONE TOLLE - BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Simone Tolle
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Flucht vor der Hauptschule


Die wohnortnahe Schule steht vor dem Aus, wenn die bayerische
Staatsregierung in der Bildungspolitik nicht radikal umdenkt. Darauf weist
Simone Tolle, Bildungsexpertin der Grünen im Landtag, erneut hin. In
Unterfranken gehe die Schülerzahl in den kommenden Jahren dramatisch zurück,
teilweise bis zu 30 Prozent. Dazu komme ein deutlich verändertes
Übertrittsverhalten. Immer mehr Eltern schickten ihr Kind wenigstens auf die
Realschule, die Hauptschule am Ort blute aus. "Daran ändert die neue
Mittelschule nichts", sagt Tolle. "Mit dem Realschulabschluss gehen die
Eltern auf Nummer sicher, denn dass die Wirtschaft den Mittelschulabschluss
als gleichwertig akzeptiert, ist zumindest zweifelhaft."

Wie Zahlen aus dem Kultusministerium zeigen, hat sich die Übertrittsquote
zwischen 2003 und 2009 deutlich geändert: In Aschaffenburg wechselten 2003
knapp 53 Prozent der Kinder an die Hauptschule und gut 30 Prozent ans
Gymnasium, im Jahr 2009 jeweils 40 Prozent an Hauptschule und Gymnasium. In
Bad Kissingen sank die Hauptschulquote von 57 auf 44 Prozent, die
Realschulquote stieg von 13 auf 24 Prozent. Im Landkreis Hassberge sank die
Hauptschulquote von 46 auf 35 Prozent, im Landkreis Rhön-Grabfeld von 66 auf
39 Prozent. In Miltenberg besuchten, ebenso wie in Aschaffenburg, im Jahr
2009 etwa ein Drittel mehr Schüler das Gymnasium als fünf Jahre vorher.

"Mit solchen Schülerzahlen lässt sich die Schule im Dorf nicht halten," sagt
Tolle. "Ich wünsche der CSU den Mut, endlich alle Kinder neun Jahre lang
gemeinsam lernen zu lassen, in der Schule an ihrem Wohnort. Danach kommt die
Berufsausbildung oder gymnasiale Oberstufe. Schleswig-Holstein macht das
längst vor."



 


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